Aug 04 2008

Ver.di-Chef Frank Bsirske will jetzt bezahlen - Pressestimmen

Autor Hartmut Dresia at 03:39 Kategorie Politik aktuell

Frank Bsirske, ver.di

Frank Bsirske, ver.di

Foto: Wolfgang Meinhart
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Während seine Mitglieder für mehr Lohn streikten jettete Frank Bsirske zusammen mit seiner Ehefrau Erster Klasse und gratis nach Los Angeles. Nun hat Bsirske “das Büro des Aufsichtsrats gebeten, mir die Kosten des Flugs vollständig in Rechnung zu stellen.”

Seine Begründung gegenüber der “Bild”-Zeitung: “Ich habe allerdings die Brisanz, die dieser Flug in der öffentlichen Wahrnehmung ausgelöst hat, unterschätzt. Das war falsch.”

Es war also nicht falsch, dass er sich zeitgleich mit dem Streik von der Lufthansa hat Flüge schenken lassen. Falsch ist auch nicht, dass Aufsichtsräte, deren Aufgabe es ist die Geschäftsführung zu überwachen, Freiflüge geschenkt bekommen. Falsch war nur seine Einschätzung “der öffentlichen Wahrnehmung”.

Pressestimmen

03.08.2008 | 18:47 Uhr | Düsseldorf (ots)

Westdeutsche Zeitung: Bsirske

Von Friedrich Roeingh

Müssen Gewerkschaftsführer bessere Menschen sein? Nein. Erstens, weil Menschen, die der Summe unserer Erwartungen in jedem Einzelfall entsprechen könnten, eine Utopie sind. Und zweitens, weil Gewerkschaftsvertreter knallharte Interessenpolitik vertreten müssen. Sie können dabei genauso übers Ziel hinausschießen wie Unternehmensvorstände, die im Auftrag der Anteilseigner die Kapitalrendite nach oben schrauben.

Diese Vorbemerkung zum Fall Bsirske ändert freilich nichts daran, dass der Verdi-Chef mit seinem Erste-Klasse-Freiflug in die Südsee eine Riesendummheit begangen hat, die ihn das kostet, was ein Arbeiterführer vor allem braucht: persönliche Glaubwürdigkeit.

Daran ändern auch die Relativierungen nichts, mit denen sein Umfeld die Affäre zur Boulevard-Klamotte herabstufen möchte: dass nicht einzusehen sei, wenn die Gewerkschafts-Mitglieder in Aufsichtsräten geringere Privilegien in Anspruch nähmen als ihre Kollegen von der Gesellschafter-Seite. Dass Bsirske die Reise schon geplant habe, als der Verdi-Streik bei der Lufthansa noch nicht terminiert gewesen sei. Oder dass Bsirske die Freiflüge als geldwerten Vorteil versteuere - was letztlich signalisieren soll, dass er nicht weniger für seinen 20.000 Euro teuren Südsee-Trip zahlt, als wir das in der Holzklasse tun würden. Letztlich weiß Bsirske aber längst am besten, dass ihm seine Instinktlosigkeit erster Klasse nachhängen wird.


Quelle: ots

03.08.2008 | 15:53 Uhr | Köln (ots)

Kölnische Rundschau: Tollpatschig

Von MARKUS GRABITZ

Verdi-Chef Frank Bsirske hat sich wegen seiner Urlaubsreise in die Südsee viel Ärger eingehandelt. Die derzeitige Aufregung um das Urlaubsverhalten des Gewerkschafters geht aber am Kern des Problems vorbei.

Man muss ihn nämlich in drei Punkten in Schutz nehmen: Dass ein Gewerkschaftschef im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt, ist nicht anstößig. Im Gegenteil: Unternehmensmitbestimmung durch Arbeitnehmer ist ein Pluspunkt der bundesdeutschen Wirtschaftsordnung. Gewerkschafter sitzen nun einmal in allen großen Konzernen in den Kontrollgremien, und das ist auch gut so.

Zum zweiten steht Aufsichtsräten eine Vergütung zu. Und wenn dazu bei der Lufthansa auch Freiflüge gehören, dann dürfen sie grundsätzlich selbstverständlich auch von den Vertretern der Arbeitnehmerseite genutzt werden.

Drittens war es richtig, dass Bsirske während des Tarifkonflikts bei der Lufthansa abgetaucht ist: In der eskalierenden Tarifauseinandersetzung befand sich der Gewerkschafter in einem klassischen Interessenkonflikt. Hier Bsirske, der stellvertretende Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrats, da Bsirske, der Chef der streikenden Gewerkschaft Verdi. Im Übrigen ist es auch allein seine Sache, wo er Urlaub macht.

Nur, und hier liegt ein echtes Problem: Bsirske hat sich angreifbar gemacht, weil er sich politisch so unsensibel und tollpatschig verhalten hat. Mitten im tobenden Tarifkonflikt hätte er seinen Flug in den Urlaub über eine andere Airline buchen sollen, nein müssen. Dann hätte er ungestört von allen Turbulenzen in der Heimat den Urlaub in der Südsee genießen können.

Entweder war er so naiv zu glauben, dass der Lufthansa-Trip des Gewerkschaftschefs daheim nicht bekannt würde. Oder, falls er das einkalkuliert hat: Wie weltfremd muss man eigentlich sein, wenn man meint, dass diese Tatsache nach all den Flugaffären der Vergangenheit daheim nicht für Ärger sorgt? Eine schwere Fehleinschätzung.


Quelle: ots

01.08.2008 | 20:27 Uhr | Düsseldorf (ots)

Rheinische Post: Bsirske fliegt

Von THOMAS REISENER

Was Verdi-Chef Frank Bsirske sich da erlaubt, ist an Unverschämtheit kaum zu überbieten. Unverschämt der Lufthansa gegenüber, aber unverschämt auch gegenüber den eigenen Gewerkschaftsmitgliedern: Da treibt Deutschlands mächtigster Gewerkschaftsboss sein Fußvolk am Boden in einen spektakulären Arbeitskampf gegen die Lufthansa. Anstatt seinen Mannen beizustehen, fliegt er dann aber selbst samt Frau fünf Wochen in die Südsee. Erster Klasse. Mit der Lufthansa, von der er sich auch noch die Tickets schenken lässt.

Als Aufsichtsratsmitglied stehen Bsirske solche Freiflüge zu. Aber muss er sie deshalb auch annehmen? Zu einem Zeitpunkt, zu dem seine Gewerkschaft der Lufthansa mit einem tagelangen Streik ohnehin schon 50 Millionen Euro Schaden zufügt? Und wie wirkt diese Streikbrecherei auf die Gewerkschafts-Genossen?

Der Interessenkonflikt, in dem Bsirske als Streik-Führer und gleichzeitiger Lufthansa-Aufsichtsrat stand, war auch ohne diesen Skandal schon schwer zu ertragen. Aber mit seinem Freiflug hat Bsirske seiner unglücklichen Doppelrolle die Krone aufgesetzt. Ein nach dem Streik ehrlich gekauftes Air-France-Ticket hätte ihn vor dieser Bauchlandung bewahrt.


Quelle: ots

One Response to “Ver.di-Chef Frank Bsirske will jetzt bezahlen - Pressestimmen”

  1. […] die Leute, um dann festzustellen, dass sich andere nicht am Streik beteiligen. Und der ver.di Chef Bsirske lässt es sich nicht nehmen, sich ger nicht erst mit der Angelegenheit zu beschäftigen, sondern […]

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