Mrz 01 2011
Bitter für “BILD” - Liebling Guttenberg packt die Koffer
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| Der Sturz des Ikrarus Ausschnitt aus Bruegels Gemälde |
| Foto: Lewenstein |
| public domain |
Bitter für “BILD” - Liebling Guttenberg packt die Koffer
1. März 2011 - Von Hartmut Dresia - plantor.de
Selbst beim Rücktritt scheinen Guttenbergs hervorstechendste Eigenschaften durch: Selbstmitleid und Selbstüberschätzung. Selbstkritik? Fehlanzeige! Schuld sucht der Liebling des Boulevards immer nur bei anderen.
Knapp zwei Wochen nach dem Bekanntwerden seiner Plagiats-Affäre geht Guttenberg nicht wegen seiner “so fehlerhaften Doktorarbeit”. Für den entdoktorten ehemaligen Herrn Verteidigungsminister liegt der Grund für seinen Rücktritt vielmehr in der Frage, ob er “höchsten Ansprüchen”, die er selbst anlege, noch nachkommen könne.
“Wir sind einem Betrüger aufgesessen”, hatte Professor Oliver Lepsius, der in Bayreuth der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater ist, seine Meinung über den ehemaligen Doktor Guttenberg formuliert. Doch Guttenberg selbst schafft in seiner verquasten Rücktrittserklärung keinerlei Klarheit. Er bekennt sich zu nichts, sucht stattdessen Zuflucht in wortreichen Unschärfen und Schuldzuweisungen an Dritte.
Wirklichkeitsverweigerung und Wirklichkeitsverschiebung
“Wenn allerdings – wie in den letzten Wochen geschehen – die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zu Lasten der mir Anvertrauten statt”, so Guttenberg in seiner Rücktrittserklärung.
Dass Guttenberg von sich selbst und seiner Dissertation nur noch in der dritten Person sprechen mag, ist möglicherweise angesichts des Ausmaßes des Diebstahls geistigen Eigentums in der Doktorarbeit für Psychologen durchaus erklärbar. Dass aber nun der “Rücken der Soldaten” herhalten muss, damit er sich als deren vermeintlicher Beschützer aufspielen kann, ist schlicht geschmacklos.
Doch Hybris und mangelnde Einsicht gehen weiter: “Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. Es war auch ein Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten.”
Den fälligen Rücktritt verschieben, um “die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen” und die Trauerfeier mit der eigenen Anwesenheit zu belasten? Eine verdrehtere Logik wurde von einem verantwortlichen Politiker selten dargeboten.
Hans-Martin Lohmann attestiert Guttenberg in der Frankfurter Rundschau, dass er sich in einem “Wahnsystem” bewegt und “private Allmachtsfantasien” hat. Bei Bild.de hingegen menschelt es: “Er war an der Grenze seiner Kraft”. “Haben Sie noch die ‘BILD’? Oder ist die auch zurückgetreten?” fragt da ein Kioskbesucher in einer Karikatur, die stern.de zeigte.

Jetzt ist der Guttenberg zurückgetreten, Respekt vor diesem Schritt, allerdings frage ich mich, wie geht es jetzt weiter, einmal für die CDU, dann für die Bundeswehr und für die Glaubwürdigkeit der Politik überhaupt. Diese Affäre hat gezeigt, dass die Politiker transparenter werden müssen, meines Erachtens gehört für dieses Amt die totale Offenheit, also sie sollten mal anfangen und alle Einkünfte veröffentlichen und alle Doktorarbeiten ins Netz stellen.
In seiner Rücktrittserklärung instrumentalisiert Guttenberg die gefallenen Soldaten, deren Schicksal durch das Medieninteresse an seiner Person in den Hintergrund gerückt worden sei.
Sein Zögern, die Konsequenzen aus den zunehmend erdrückenden Beweisen für sein wissenschaftliches Fehlverhalten zu ziehen, begründet er abermals mit Moral. Selbst in dieser ausweglosen Lage beansprucht er für sich Vorbildfunktion. Salbungsvoll führt er zur Begründung die aus seinem Anstandsverständnis erwachsende vorrangige Pflicht an, die Gefallenen ehrenvoll “zu Grabe zu tragen”.
Er lenkt damit ab von der eigenen Schuld.
Denn in Wahrheit geht es um sein ehrenrühriges Versagen. Dieses, vage abgetan als simple “Fehlerhaftigkeit”, bringt den wissenschaftlichen Kodex in Misskredit. Mit Recht hat sich erstmals ein ganzer Berufsstand, der sich gewöhnlich politisch zurückhält, empört und ist mit einer beispiellosen Unterschriftenaktion an die Öffentlichkeit getreten.
Es war abzusehen, dass Guttenberg nicht mehr lange im Amt bleiben kann, weil er stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt hatte und somit auch der Regierung und seiner Partei nicht weiter schaden wollte.
Der Rücktritt von Guttenberg war höchste Zeit. Er ist nicht mehr glaubwürdig.