Feb 28 2011

Durch Blankenese mit dem städtischen Kleinbus

Autor Gunhild Simon at 08:00 Kategorie Hamburg aktuell

Hamburg, Blankenese, Süllberg
Hamburg, Blankenese, Süllberg
Foto: Staro1
GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Durch Blankenese mit dem städtischen Kleinbus

28. Februar 2011 - Von Gunhild Simon - blog1.institut1

Blankenese, das ist - mehr noch als die anderen lose verbundenen Dörfer, aus denen sich das Großstadtgebilde Hamburg zusammensetzt - ein eigener Planet.

Auch klimatisch herrschen hier besondere Bedingungen, denn Blankenese liegt am Hang des Geestrückens, der sich am nördlichen Ufer über die Elbe erhebt.

Nach der letzten Eiszeit hat sich der Schmelzwasserstrom seine Bahn zum Meer gebrochen. Eine Abbruchkante hat er hinterlassen - sichtbar in Geesthacht und Lauenburg, aber ebenso auf den bebauten Hängen von St. Pauli, entlang der Elbchaussee, in Blankenese und am Falkenstein. [1]

Die Herkunft des Namens von Blankenese erschließt sich fast unmittelbar: blanke Nase. Aber was ist eine blanke Nase im Angesicht der Elbe?

Blankenese liegt, wo früher Norder- und Süderelbe zusammenflossen. Deshalb bildeten sich dort Inseln und Sandbänke. [2] Eine solche Sandbank, die bei Sturmfluten weggespült wurde, streckte sich glänzend im Sonnenlicht aus. Sie war namensgebend für den Ort - Blankenese.

Blankenese - auf dem nördlichen Geestrücken an der Unterelbe

Blankenese liegt an einem durch ehemalige Bachläufe zergliederten Hang. Malerisch bebaut blickt es nach Süden auf die flache, deichgeschütze Marsch am gegenüberliegenden Ufer des Flusses. Das Alte Land zwischen Finkenwerder, York und Buxtehude ist eine von Entwässerungsgräben durchzogene Kulturlandschaft - im Mai ein Meer aus blühenden Obstbäumen.

Der Südlage ist das heutige frühlingshafte Klima an diesem Zipfel der Stadt zu verdanken, während bittere Kälte, vereiste Kanäle und schmutzige Schneehaufen allenthalben noch an einem Frühling zweifeln lassen, der kalendarisch bereits Einzug hält.

Eine einzige Straße führt durch dieses Viertel. Sie ist die Verlängerung der Elbchaussee, die von ihrem Scheitelpunkt aus jetzt kurvenreich und schmal zum Strandweg hinabsteigt. Die besondere Prägung aber verleihen ihm die Gässchen, Gänge, Pfade, Stufen und Stiegen, die als winkliges Gewirr treppauf und treppab, kreuz und quer das Blankeneser Treppenviertel durchziehen. Auf Schritt und Tritt eröffnen sich neue, überraschende Ausblicke auf terrassierte Gärten, miniaturhaft eingepasste Häuser und den gleißenden Strom, der zusammen mit der klimatisch bevorzugten Lage der Grund für die liebliche Vereinnahmung dieser Landschaft war. Am Ende des Abstiegs eröffnet sich ein blendend heller Elbstrand. Hier, am Fuße des Hangs zieht sich übersichtlich und bequem der Strandweg bis weit zum Falkensteiner Ufer hin. [1]

Blankenese, von der Elbe aus gesehen
Blankenese, von der Elbe aus gesehen - Foto: JoachimG - GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Der Passagier, der sich an diesem letzten Februarsonnabend auf eine Rundfahrt begibt, nimmt den Kleinbus, das einzige öffentliche Verkehrsmittel, das der engen Straße gewachsen ist. An der Hangseite im Schatten der Häuser liegt noch Altschnee, indes an den warmen Vorderfronten im Angesicht des blinkenden Wasser Hamamelis, Krokus und Schneeglöckchen blühen.

Auch der Schnellbus 48 ist eine Miniatur. Auf seiner Route umrundet er den Blankeneser Süllberg. Um die schmalen, steilen Straßen und engen Kurven zu passieren, ist Geschick und Augenmaß vonnöten. Der Busfahrer ist vertraut mit dieser Strecke, die er mit der Souveränität eines Lotsenkapitäns durchkreuzt. Mit seinen Passagieren scheint er ebenso vertraut, denn man grüßt und verabschiedet sich jovial, als handelte es sich um den Privatchauffeur.

Als schließlich die serpentinenreiche Auffahrt durch den winterlich kahlen Wald bis zur Höhe geschafft ist, der Bus wieder belebtere Gegenden ansteuert und die Reihen der Passagiere sich lichten, erhebt sich auch der vorletzte. An der Kreuzung öffnet der Busfahrer die Tür - unplanmäßig, man kennt die Bedürfnisse der Stammkunden.

An der Bahnhofsstraße regt sich geschäftiges Leben. Es ist Markttag, die Cafés haben sich schon nach draußen verlagert. Der vorletzte Passagier bekommt Gesellschaft. Wir steigen aus. Ein leerer Bus steuert den Bahnhof an.

[1] blog.institut1: Das Elbufer am Falkenstein

[2] blog.institut1: Deutschstunde - von den Freuden der Pflicht


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